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Brauchtum zur Faschingszeit |
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Die Faschingszeit erstreckt sich über einen längeren Zeitraum – von Hochneujahr (Dreikönig), an dem früher das Jahr begann, bis zum Faschingsdienstag und dauerte in früheren Zeiten auch noch darüber hinaus. Sie wird mit verschiedenen Namen bezeichnet: im Rheinland als Karneval, was wohl weniger von „Carne vale“ = Hüte das Fleisch in Bezug auf die folgende Fastenzeit kommt, da die Bräuche schon sehr viel älter als das Christentum sind, sondern eher vom Schiffskarren „carrus navalis“, der bis heute in den Umzügen mitgeführt wird und schon auf den schwedischen Felszeichnungen (Schiffsdarstellungen mit der Sonne) zu sehen ist. In Österreich und Bayern nennt man diese Zeit Fasching, in Schwaben Fasnet. Auch die Bezeichnung „Fastnacht“ hat nichts mit der Fastenzeit zu tun, sondern kommt von mittelhochdeutsch „faselen“ = gedeihen, fruchten, wie viele der Bräuche darauf zielen, der wieder erwachenden Natur Gedeihen im neuen Jahr zu wünschen.
Im "Indiculus superstitionem et paganarium" ("Anzeiger abergläubischer und heidnischer Gebräuche", die verboten und unter Strafe gestellt wurden) aus dem 7 Jahrhundert werden schon "unsaubere Feste im Februar" mit Kultläufen erwähnt.
In evangelischen Gegenden ist sehr viel weniger vom alten Brauchtum erhalten, als in katholischen, da das Christentum sich zunächst alte heidnische Bräuche zu eigen machen mußte, um überhaupt Fuß fassen zu können, während sich Luther allein auf die Bibel berief.
Der rheinische Karneval ist weithin bekannt, er unterscheidet sich aber sehr vom Brauchtum z.B. der schwäbisch-alemannischen Fasnet. Erst seit 1823 tritt in ihm der Karnevalsprinz auf, entstanden aus dem Pritschenmeister, der dem Umzug als Platzmacher voranging. Die Kölner "Funken" (das Mainzer Gegenstück dazu sind die "Garden") sind zurückzuführen auf die 11 Flammenfunken im Kölner Stadtwappen. "Funken" in Uniformen der Kölner Stadtsoldaten gingen im Umzug mit. Das "Funkenmariechen" war ursprünglich die Marketenderin, die die Funken begleitete. Heute treten überall zahllose "Funkenmariechen" auf, deren ursprüngliche Bedeutung nicht mehr erkennbar ist.
So manches "Funkenmariechen" mit kurzem Röckchen und dicken Beinen ist nicht gerade ein schöner Anblick.
Die rheinische Karnevalsstimmung mit Bällen, Essen, Trinken, Tanzen und Schunkeln ist alt und geht darauf zurück, daß in Frühzeiten zu allen Festen das festliche Mahl gehörte, oft mit besonderen Speisen.
Die Büttenreden (Mainz) entsprechen dem alten Rechtsbrauchtum, auf das noch eingegangen wird. Als Ursprungsland der Umzüge gilt Franken. Bekannt ist der Nürnberger Schembartlauf (Schembart = bärtige Scheme, Larve), von dem in mehreren bebilderten Büchern berichtet wird.
Während in den großen Städten das Bürgertum und die Zünfte mit Bällen und Umzügen das Faschingstreiben bestimmten, war und ist in ländlichen Gegenden noch viel echtes Brauchtum zu finden. Allem zugrunde liegt der Sinn, die noch schlafende Natur zu erwecken, Fruchtbarkeit zu erbitten und der Kampf zwischen Winter und Sommer, bei dem der Winter den Kürzeren zieht.
In der schwäbisch-alemannischen Fasnet ist heute noch in vielen, zum Teil kleinen Orten eine Menge des uralten Brauchtums lebendig, in dem man den alten Sinngehalt noch erkennen kann. Oft findet man in diesen Umzügen keine modernen Kostümierungen, sondern Brauchtumsgestalten wie z.B. beim Rottweiler Narrensprung in Schömberg, Elzach u.a., wobei diese auch nicht an Umzügen in anderen Orten teilnehmen.
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| Peitschenknallen |
Ursprünglich waren die Kulthandlungen nur den Männern vorbehalten. So werden auch heute noch die uralten Tanzformen wie Schwert-, Stock- und Reiftänze, der Siebensprung und so manche Narrensprünge (die übrigens früher nur im Frühling getanzt wurden) und örtliche Fasnetspiele nur von Männern durchgeführt. Dabei geht es darum, durch Stampfen und Springen (meist in einer bestimmten Schrittfolge zu den örtlich unterschiedlichen "Narrenmärschen") ebenso wie durch verschiedene Formen des Lärmens die Natur zu erwecken. So findet heute noch alljährlich zu Hochneujahr (Dreikönig) z.B. in Überlingen am Bodensee ein Peitschenknallen statt, wie es dann im Laufe der Fasnetzeit in vielen Orten auch in den Umzügen vorkommt. Auch das Rasseln, Scheppern, Pritschen u.ä. bis hin zur "Guggenmusik", die besonders in der Schweiz weit verbreitet ist, die Glocken und Schellen der Narrengewänder bis zu den großen Kuhglocken im alpinen Bereich erfüllen denselben Zweck.
In den Umzügen traten bis Ende des 20. Jahrhunderts noch Erbsenbären (mit Erbsstroh umhüllt) o.ä. in Stroh gehüllte Männer, "Wilde Männer" u.ä. auf, die den Winter verkörperten. Oftmals verwandelten sie sich am Ende in den jungen Frühling in frischem Grün oder weißer Kleidung mit Blumen und Bändern oder wurden im Dorfbrunnen "ertränkt".
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| Erbsenbären |
Die alten Masken verliehen ihren Trägern übermenschliche Kräfte; so wird berichtet, daß dadurch die Maskenträger z.B. über den Dorfbrunnen, ja sogar über das Hausdach springen konnten. So hoch, wie die Narren sprangen, sollte auch der Lein wachsen. Auch übermannsgroße Gestalten wie der "Samson" in Tamsweg, der "Gole" in Riedlingen oder durch besonders großen Kopfputz erhöhte oder Stelzentänzer treten auf.
Tierverkleidungen sind wohl Überreste aus ältester Zeit- schon in den steinzeitlichen Höhlenmalereien in Spanien und Südfrankreich finden wir Darstellungen von solchen "Tiermenschen". Dazu gehört der Hirsch (z.B. im Werdenfelser Land), das Pferd (heute noch im berühmten Rottweiler Narrensprung u.a.), der aus dem wilden Mann hervorgegangene Bär, aber auch Storch u.a. Vögel.
Es gibt besonders in der schwäbisch-alemannischen Fasnet noch viele Orte, in denen im Umzug nur Gestalten in überlieferter Verkleidung gehen, die dort "Häs" genannt wird. Da gibt es die Hansele mit zweiteiligen weißen Leinengewändern, bemalt mit Ranken, Blumen, Menschen und Tieren. Sie tragen Riemen mit Schellen ("G´schell") und Holzmasken mit Fuchsschwanz. Die Fleckle oder Bätzle haben sich wohl aus den alten Wilden Männern fortentwickelt, aus der Vermummung mit Tierfellen, Baumrinden,- flechten und Moosstücken wurden Stoffflecken, die heute oft in festgelegter Farbe und Reihenfolge angenäht werden. Eine weit verbreitete Gruppe stellen die Hexen. Der Name bedeutet "Hege des Lebens". Die germanisch-keltischen weisen Frauen, die mit ihrer Kenntnis von Kräutern und Heilpflanzen nicht zum hereinströmenden Aberglauben paßten, wurden im Mittelalter als "Hexen" verbrannt. Der Abt Pirmin von Reichenau (um 800) verbot: "Die Männer sollen sich nicht mit Frauenkleider vermummen und kein Christ darf bei den Flurumgängen Tänze aufführen und Scherzspiel treiben."
Das heute weit verbreitete Werfen von Konfetti oder Süßigkeiten geht auf das ursprüngliche Werfen von Erbsen (oder auch Scherben- siehe auch beim Polterabend!) als Wunsch für Fruchtbarkeit zurück. In manchen Gegenden ist es ja noch Brauch, bei Hochzeiten auf das Brautpaar Erbsen- heute ersetzt durch Reis, der aber nicht in unsere Breiten paßt- zu werfen.
Wie bei allen Festzeiten im Jahreslauf finden sich auch in der Fasnet Wasser, Feuer und Baum. In einigen Orten in hohenzollerischen Landen findet heute noch das "Bräuteln" statt, bei dem Männer, die im vergangenen Jahr geheiratet, ein Haus gebaut oder ein Kind gezeugt haben, auf der "Bräutelstange" um den Dorfbrunnen getragen werden (wobei sie Brezeln, Würste, u.a. in die Menge werfen) und zum Schluß mit dem Fuß ins Wasser getaucht werden. Wer sich auf der Bräutelstange wehrt, wird aber auch vollständig in den Brunnen geworfen, wobei es natürlich zu erheblichen Rangeleien kommt und der Nasse auch kräftig Wasser aus dem Brunnen verspritzt. In einem anderen Ort wird ein Spiel um den "Sommervogel" aufgeführt, der von einem Räuber (einem Fremden!) geraubt wird. Der Räuber wird aber gefaßt und in den Brunnen geworfen, der Sommer ist gerettet. In einigen Orten gibt es das "Pflugumführen": wenn in einem bestimmten Zeitraum im Ort keine Hochzeit stattfand, werden die ledigen Mädchen im heiratsfähigen Alter vor einem Pflug- Sinnbild der Fruchtbarkeit- (oder eine Egge) gespannt, hinter dem ein Sämann geht, der "Männer" sät. Am Ende bekommen die Mädchen Wasser aus dem Dorfbrunnen ("Wasser des Lebens"!) zu trinken. Erst in jüngster Zeit wurde das Wasser durch Bier ersetzt. Auch das Anbieten von Schnaps an die Zuschauer geht in abgewandelter Form auf das Lebenswasser zurück.
In der Faschingszeit fand im Allgäu und in Baden das "Samenzünden" statt, bei dem man mit Fackeln über die Wintersaat lief, um ihr Fruchtbarkeit zu vermitteln. Auch anderswo gab es Lichterumzüge. Aus Baden ist drei Wochen vor der Fastnacht ein Fackelschwingen überliefert. In vielen Orten waren große Fasnetsfeuer oder das Rollen von Feuerrädern oder Scheibenschlagen (wobei brennende Holzscheiben über die Fluren geschleudert werden) Brauch, der teilweise bis heute erhalten geblieben ist- so in einigen Orten im Odenwald am Faschingsdienstag (in Langenthal wird ein großes Feuerrad den Berg runtergerollt, nachdem die Kinder mit einem Lied den Winter ausgetrieben haben. Noch heute gehen die Menschen über die Spur, die das herabfallende brennende Stroh zieht, um sich dadurch vor Krankheit zu bewahren!) oder im fränkischen Pottenstein mit großen Feuern schon zu Hochneujahr. Noch weit verbreitet sind die Feuer am "Funkensonntag" oder "Hutzelsonntag", dem Sonntag nach der Fasnet. Schon im 16. Jahrhundert gab es einen Unterschied zwischen der Herrenfastnacht und der "alten" oder Bauernfastnacht, die eine Woche später endete. Durch den kirchlichen Beginn der Fastenzeit wurde das Ende der Faschingszeit vorverlegt. Der Basler "Morgenstreich" findet noch immer eine Woche später statt.
In vielen Orten Süddeutschlands wird jedes Jahr am "Schmotzigen Donschtig" ein Narrenbaum errichtet, ähnlich dem Maibaum. Mit seinen immergrünen Zweigen ist er Sinnbild des Lebens. Er wurde früher umtanzt, unter ihm fanden die Narrengerichte statt. Er gilt als Zeichen als der von den Narren übernommenen Gewalt durch die Absetzung der Obrigkeit und die "Befreiung" der Schüler, die von Donnerstag bis Faschingsdienstag schulfrei haben.
Aber auch aus den Umzügen heraus werden die Zuschauer, vor allem die Mädchen, mit der Lebensrute geschlagen. Die Schweinsblase erfüllt denselben Zweck. Dieses Schlagen als Fruchtbarkeitssinnbild hat in verschiedenen Gegenden unterschiedliche Bezeichnungen: Stiepen, Fuen oder Quitschen. Im Gegensatz zu den schwarz gekleideten Wintergestalten tragen die weißen Sommergestalten, mit Blumen und Bändern geschmückt, oft Stecken mit Grün und Blumen mit.
Auch das Rechtsbrauchtum ist bis heute erhalten geblieben. Von den Narrengerichten das bekannteste ist wohl das von Stockach (Bodensee), zu dem Politiker geladen werden, denen dann ihre Fehler vorgeworfen werden. Aber auch in anderen Orten gibt es solche Narrengerichte. Am Chiemsee kennt man die Faschingspredigt, im Rheinland (und anderen Saalveranstaltungen) die Büttenreden. In vielen Orten gibt es eine Faschingszeitung, in der berichtet wird, was im vergangenen Jahr an Ungeschick passiert ist oder was gegen die Sitte und Brauch verstoßen hat. Oft nur noch als Kinderbrauch erhalten geblieben sind die Heischeumzüge, bei denen Segen für das neue Jahr gewünscht wird und die Gaben für die Gemeinschaft eingesammelt werden. Vor dem Haus oder auch drinnen wurde getanzt. Daß es sich dabei um uraltes Rechtsbrauchtum handelt, zeigt, daß die Heischenden früher bei Verweigerung sogar ins Haus eindringen und sich etwas holen durften.
Wie zu jeder Festzeit, gehören auch zum Fasching Gebäcke in Form von Sonnensinnbildern. Schon zu Beginn ist es in der Reutlinger Gegend Brauch, um "Mutscheln" zu würfeln - Gebäck in Form der Sonne. Nicht wegzudenken sind die Krapfen (Fasnetküchle, Berliner Pfannkuchen u.a. Bezeichnungen), die es früher nur in diesem Zeitraum gab. Im Rheinland wurde in einen eine Erbse, in einen anderen eine Bohne eingebacken. Der Bursche, der auf dem "Bunneball" den Krapfen mit der Erbse bekam, wurde "Erbsenkönig", das Mädchen mit der Bohne "Bohnenkönigin" - Vorläufer des heutigen Prinzenpaares. In Schwaben heißt der Donnerstag "schmotziger", weil die Küchle aus Fett gebacken werden. In manchen Orten in Baden-Württemberg werden aus dem Umzug auch nur Brezel (=Sonnensinnbild) verteilt, die auf einer Stange mitgeführt werden- meist auch nur an Zuschauer, die die Narren kennen.
Das hauptsächliche Faschingstreiben beginnt meist erst am Schmotzigen Donnerstag, oft mit dem Ausgraben der Fastnacht, dem "Wecken" mit Trommeln und Trompeten und den Fasnachtausrufen. Ein wichtiger Termin ist vor allem früher Lichtmeß (2.2.) gewesen. An diesem Tag wechselte das Gesinde des Bauern, der Tag galt als Lotstag für die Ernte: ist an diesem Tag das Wetter schlecht, wird es eine schlechte Heuernte geben. Das Wort Lichtmeß kommt vom mittelhochdeutschen "mezzen" = verkünden- die Sonne wird nun wieder stärker und scheint länger und wird den Winter vertreiben.
Die Fastnacht endet heutzutage am Aschermittwoch. Das Aschenkreuz der Kirche ist noch ein Rest des im Fasching üblichen "Schwärzens" (ursprünglich der jungen Mädchen), das Fruchtbarkeit verleihen sollte. Entweder am Dienstagabend oder auch am Mittwoch wird vielerorts neben der bekannten Geldbeutelwäsche die Fasnet (eine Strohpuppe) im Feuer verbrannt, ertränkt oder vergraben, unter Klagen und Jammern des Volkes. In Nord- und Mitteldeutschland wird dabei oft eine Flasche Schnaps vergraben, die im nächsten Jahr als Fastnacht wieder ausgegraben und gemeinsam getrunken wird. Früher gab es aber auch über den Aschermittwoch hinaus Umzüge und Gelage mit Essen und Trinken. In romanischen Ländern finden Wettkämpfe zwischen Fastnacht und Fasten statt, wobei immer der Karneval Sieger bleibt. Der Funkensonntag beschließt die Faschingszeit. Der Winter ist besiegt, die Natur erweckt- es folgen die Frühlingsbräuche vor allem in der Osterzeit.
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