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Aktionswoche „Gegen das Vergessen“ in Dresden Drucken E-Mail

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Edda Schmidt
Tausende waren am 13. Februar nach Dresden gekommen, um in einem Trauermarsch der Opfer des alliierten Bombenterrors zu gedenken und sind nun enttäuscht, vielleicht auch wütend, weil die Polizei trotz massenhafter Präsenz sich unfähig oder unwillig zeigte, uns zu unserem vor Gericht erkämpften Recht zu verhelfen.

Dabei ist aber weithin unbekannt, daß junge Kameraden vom „
Aktionsbündnis gegen das Vergessen“ schon die ganze Woche jeden Tag eine Aktion durchführten.

Am Montag (8.2.) wurden auf dem Altmarkt im Zentrum der Stadt Figuren niedergelegt, die verkohlte zusammengeschrumpfte Leichen darstellten, und zwar an der Stelle, wo nach den Angriffen fast 7.000 Bombentote verbrannt worden waren. Daran erinnert heute nur ein kleines in das Pflaster eingelassenes Metallschild, das unter dem Schnee nicht zu sehen war. Neuerdings ist auch ein Schriftzug an der Stirnseite des Eingangs zur Tiefgarage angebracht, auf dem jedoch gleich wieder Schuldkult getrieben wird. An die Passanten wurden Flugblätter verteilt „
Wo man die Toten mit Füßen tritt“, in dem angeprangert wurde, dass an und über dieser Stelle zu jeder Gelegenheit Menschen stehen, sitzen, laufen, tanzen – Einheimische wie Touristen – und die Forderung nach einem Denkmal für die Toten aufgestellt. Erschütternd waren die Teilnahmslosigkeit und das Desinteresse der meisten Menschen, die wir ansprachen.

Am Dienstag wurden in die Briefkästen der Häuser jener Straßen, durch die bisher die Trauermärsche führten, ebenfalls Flugblätter verteilt. Abends fand ein Treffen einer Burschenschaft statt, bei dem ein älterer Akademiker referierte, der in mühsamer Kleinarbeit versucht, anhand eines Einwohnerbuches aus den 40er Jahren (in dem aber nur die Haushalte, nicht die genaue Personenzahl aufgeführt sind) die wahrscheinliche Zahl der Toten nur in den vollständig zerstörten Stadtgebieten zu ermitteln. In dem bisher bearbeiteten Drittel dieser Gebiete gab es 28.665 Haushalte, woraus man schon ersehen kann, dass die heute behaupteten Zahlen von 35.000 bis sogar nur 20.000 Toten ein glatter Hohn sind.

Am Mittwoch wurden vor der Frauenkirche am Neumarkt am Luther-Denkmal Holzkreuze mit Grabkerzen in Kreuzform aufgestellt, flankiert von als Tod verkleideten Männern. In dem hier verteilten Flugblatt „
Wie viele starben, wer kennt die Zahl?“ (Inschrift auf der Gedenkstätte auf dem Heidefriedhof) wird die Zahl der 35.000 Toten als perfide angeprangert und die heute bestrittenen Tieffliegerangriffe durch Erlebnisberichte bestätigt gefunden. Schon nach kurzer Zeit kamen von allen Seiten Polizeifahrzeuge angefahren. Die Polizisten suchten aber vergeblich nach einem Verantwortlichen.

Am Donnerstag wurden – wie schon in den beiden vergangenen Jahren – 1.000 Lichter auf der Elbe zum Gedenken an die Toten schwimmen gelassen. Nach einer kurzen Ansprache und Gedenkminute wurden Teelichter in auf Brettchen befestigten durchsichtigen Plastikbechern gesetzt und angezündet. Zwei Kameraden standen in Wathosen sogar in der eiskalten, hier sehr seichten Elbe, um die Brettchen mit den Lichtern in die Strömung setzen zu können. Die schwimmenden Lichter auf dem schwarzen Fluß wirkten sehr eindrucksvoll.

Am Freitag fand die gemeinsame Saalveranstaltung der NPD mit den Kameraden des Aktionsbündnisses statt, durch die Jens Pühse führte. Fünf Zeitzeugen berichteten, was sie am 13.2.1945 und den Tagen danach in Dresden erlebt hatten. Gerd Honsiks Ballade vom Untergang der Stadt wurde vorgetragen. Bilder und ein Film berichteten von den Aktionen der Gedenkwoche 2009.

Der Sonnabend, 13.2., stand ganz im Zeichen des (verhinderten) Trauermarsches, über den eigene Berichte vorliegen. Am Vormittag hatte die traditionelle Gedenkfeier der Stadt am Heidefriedhof stattgefunden. Die Kränze der NPD lagen am Sonntag noch friedlich neben all den anderen, z.B. dem der VVN.

Zum Abschluß der Gedenkwoche fand am Sonntag, dem 14.2. noch eine Kranzniederlegung am Gedenkstein für die Dresdner Bombenopfer nicht nur des Februar, sondern auch der Bombenangriffe vom März und April 1945 auf dem Nordfriedhof statt.

So beeindruckend es ist, mit Tausenden Gleichgesinnter schweigend durch die wieder aufgebaute Stadt zu marschieren, so wichtig sind doch diese Einzelaktionen, die uns oft ablehnend gegenüberstehenden Bürger ansprechen sollen und auch uns selbst zu stillem Gedenken außerhalb der politischen Anspannung führen.

Edda Schmidt

 
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